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Besondere Belege der Esslinger Postgeschichte

IVA-Vorführpost

Beitrag vom 30. August 2008

Bei dem folgenden Beleg handelt es sich zwar nicht um einen Brief, der aus Esslingen abgeschickt wurde, aber ich finde ihn trotzdem so interessant, daß ich ihn hier vorstellen möchte.

Auf der Internationalen Verkehrs-Ausstellung 1979 in Hamburg wurde am Messestand der Deutschen Bundespost die Technik der sog. Linearcodierung vorgestellt. Die fluoreszierende Codierung am unteren Rand des Briefes besteht hierbei aus 20 Strichen, in denen die Postleitzahl des Adressaten für die maschinelle Bearbeitung eincodiert wurde. Die Belege, die alle mit Fantasieadressen beschrieben sind, konnten die Besucher am Messestand kostenlos erhalten.

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Von rechts nach links gelesen kann man die Postleitzahl (hier 7300) recht einfach entschlüsseln. Die PLZ war damals 5-stellig codiert, die Bedeutung der ersten Stelle ist mir allerdings nicht bekannt. Ich vermute, es handelt sich hierbei um eine Leitcodierung für den Transpost der Briefbünde. Sobald ich hierzu weitere Informationen erhalte, werde ich diese Beschreibung anpassen.

Jede Ziffer der Postleitzahl wurde mit 4 Strichen und 2 Lücken codiert, wobei die Information der PLZ-Ziffer in den Lücken enthalten war. Um diesen Code für alle Ziffern erfüllen zu können, wurde die PLZ-Ziffer "0" aus den Lücken über 4 und 7 dargestellt. Die Codierung der Esslinger Postleitzahl zeigt das folgende Bild.

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Ähnliche Belege gab es Anfang der 60er Jahre vom PTZ (Posttechnisches Zentralamt) in Darmstadt. Sollten Sie einen solchen Beleg nach Esslingen gerichtet abzugeben haben, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.


Stempel-Ausmusterungskarte

Beitrag vom 5. Juni 2008

In dem kleinen Esslinger Vorort Mettingen wurde am 21.3.1908 eine Postagentur eingerichtet. Als Stempelgerät wurde ein typischer württembergischer Einkreisstempel ohne Uhrzeittype verwendet, wie dies bei kleinen Orten im Königreich Württemberg üblich war. Am 1.4.1921 wurde die Mettinger Postagentur in ein Postamt umgewandelt, als Stempelgerät wurde nun ein Datumbrückenstempel mit Uhrzeitangabe verwendet.

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Die gezeigte Ausmusterungskarte belegt, daß das württembergische Stempelgerät bis zum 1.12.1939 im Postamt Mettingen vorhanden war. Die reguläre Verwendungszeit des Stempels ist bisher nachgewiesen bis zum August 1919. Die Vermutung liegt nahe, daß der Stempel fast 20 Jahre lang als Innendienststempel weiterverwendet wurde. Entsprechende Belege konnte ich aber bisher leider nicht finden.

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Das Stempelgerät (mit den Einstecktypen) wurde zusammen mit der Ausmusterungskarte am 2.12.1939 über das Leitpostamt Esslingen an die zuständige RPD Stuttgart überstellt, wo der Stempel schließlich vernichtet wurde.


Ganzsachen mit privatem Zudruck

Beitrag vom 7. April 2008

Die Esslinger Museumsgesellschaft war eine Vereinigung von Bürgern der sogenannten gehobenen Klasse, die es sich zum Ziel gesetzt hat, durch Weiterbildung und gesellschaftliche Veranstaltungen Kultur zu pflegen. Sie bestand seit 1816 zunächst als Lesegesellschaft, wurde 1818 umgestaltet und nannte sich seither "Museum". Die Zahl der Mitglieder erreichte im ersten Jahrzent des 20. Jahrhunderts ihren höchsten Stand mit 150 Mitgliedern. Im Herbst des Jahres 1937 wurde die Gesellschaft aufgelöst.
[Quelle: Esslinger Studien, Zeitschrift 31, 1992; S. 103ff, "Die Esslinger Museumsgesellschaft" von Ursula Rojnica]

Am 11. September 1909 schickt der "Ausschuß für Vergnügen" der Museumsgesellschaft Esslingen an den Esslinger Tierarzt Dr. Allmann eine Einladung zum bevorstehenden Sommerfest auf der Burg.
Ganz unten auf der Karte steht der Hinweis Bei schlechtem Wetter findet nur Konzert und Tanz im Museum statt; Beginn 8 Uhr.

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Es war wohl damals abzusehen, daß das Sommerfest wegen schlechten Wetters nicht stattfinden kann, deshalb wurde eine weitere Ganzsache mit entsprechendem Zudruck versehen und den Mitgliedern der Museumsgesellschaft Esslingen am 14. September 1909 zugeschickt. Die Uhrzeitangabe "N 5" im Poststempel zeigt, daß der Zudruck auf dieser Karte recht kurzfristig angefertigt wurde. Die Karte ist dann am folgenden Tag, an dem das Sommerfest hätte stattfinden sollen, bei den Mitgliedern zugestellt worden.

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Aus der selben Korrespondenz stammt die folgende Einladung zu einem Ausflug nach Lorch, geplant am 27. Mai 1906. Absender war ebenfalls die Museumsgesellschaft Esslingen. Der Ortstarif waren damals 2 Pfennig. Die Postkarte mit Antwortpostkarte wurde auf beiden Seiten bedruckt!

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Zum Glück hat Dr. Allmann an diesem Ausflug nach Lorch nicht teilgenommen, sonst wäre diese schöne Postkarte mit Antwortkarte vermutlich zerteilt worden.

Bisher kannte ich Ganzsachen mit privatem Zudruck lediglich von Esslinger Firmen und Behörden. Ein privat angefertigter Zudruck eines Vereins hatte ich bisher aus kostengründen ausgeschlossen.
Innerhalb der Masse an Poststücken sind Ganzsachen mit privatem Zudruck generell selten und schwierig zu finden.


Nebenstempel "Zurück nach" Esslingen

Beitrag vom 12. Dezember 2007

Schöner lässt sich ein postalischer Nebenstempel nicht dokumentieren!

Dieser Musterungsbescheid vom Rekrutierungsamt innerhalb Esslingens am 23.2.1912 verschickt und einen Tag später zurück gesendet dokumentiert eindrucksvoll, daß es sich hierbei tatsächlich um einen Nebenstempel der Esslinger Post handelt.
Am Oberrand steht der Hinweis des Zustellers "Abgereist, wohin unbekannt".
Interessant ist auch, daß die Adresse (bzw. die Strasse) des Rekrutierungsamtes nicht auf der Vorladung angegeben ist. Die Strasse wurde von der Post für die Rücksendung auf der Karte notiert (Sirnauerstr. 14I).

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Die Vorladung ist übrigens um 1 Pfennig überfrankiert. Im Ortsverkehr hätten 2 Pfennig als Frankatur genügt.
Das folgende Bild zeigt die Rückseite der Vorladung:

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Katapultbrief aus den USA nach Esslingen

Beitrag vom 25. September 2007

Katapultbriefe sind eigentlich nichts interessantes, jedoch ein Katapultbrief aus den USA nach Esslingen geschickt, ist zumindest für den Heimatsammler etwas besonderes. Leider sind die meisten Katapultbriefe philatelistisch beeinflusst, auch dieser Brief hat keinen Absender notiert.

Aufgegeben wurde der Brief am 27.7.1932 in Varick St. Annex im US-Bundesstaat New York. Das Auslandspostamt von New York hat den Brief am selben Tag gestempelt und zur Beförderung per Schiff freigegeben. Der Dampfer "S/S Bremen" verließ den Hafen von New York am 28.7.1932 mit Ziel Southampton.

Die Briefgebühr in Höhe von 24 Cents setzt sich folgendermaßen zusammen:

  • 5 Cent für den Brief
  • 4 Cent Luftpostzuschlag innerhalb USA, und
  • 15 Cent für den Schleuderflug.

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Am 1.8.1932 um 10 Uhr morgens war es dann soweit, und der Katapultflug nach Southampton wurde gestartet. Die Distanz nach Southampton betrug etwa 1000 km, der Flug hätte ca. 6 Stunden gedauert (die planmäßige Ankunft des Dampfers Bremen war am Abend des 2.8.1932).
Dieser Flug hat aber sein Ziel nicht erreicht! Das Flugzeug musste wegen technischer Probleme seinen Flug nach Southampton abbrechen und zum Schiff zurückkehren. Welcher Art die technischen Probleme waren, ist nicht bekannt. Sie müssen aber derart gravierend gewesen sein, daß Flugkapitän Grütering und sein Funker Zimmermann keinen zweiten Startversuch unternommen haben.
Die Katapultpost kam also erst am 2.8.1932 in Southampton an. Dort wurden die ankommenden Postsendungen per Luftpost weiterbefördert.

Der gezeigte Brief erreichte das Stuttgarter Luftpostamt am 3.8.1932, dort wurde der rote Stuttgarter Luftpoststempel auf der Vorderseite angebracht. Anschließend wurde der Brief nach Esslingen weiterbefördert, wo er zwischen 21 und 22 Uhr abends ankam (Ankunftsstempel).

Eigentlich hätte ich erwartet, daß ein entsprechender Hinweisstempel auf dem Brief angebracht wurde, der auf den Abbruch des Fluges hinweisen würde. Aber diese Stempel wurden nur dann verwendet, wenn der Schleuderflug überhaupt nicht gestartet wurde (dies war dann der Fall, wenn z.B. das Katapult defekt war). Bei dem gezeigten Brief wurde der Schleuderflug gestartet, der Versuch einer beschleunigten Beförderung hat also stattgefunden. Der Abbruch des Fluges und die Rückkehr des Flugzeugs auf das Schiff wurden leider nicht auf den Briefen vermerkt.


Notstempel Hohenkreuz

Beitrag vom 20. Juli 2007

Den unten abgebildeten Beleg habe ich vor einigen Jahren bei einem Händler in der Kategorie "Notstempel" gefunden. Solche Stempel sind natürlich sehr selten, sie zu finden ist reine Glückssache. In die Stempelhistorie des Esslinger Stadtteils Hohenkreuz habe ich diesen Stempel aufgenommen, er fügt sich prima in die bisher erfassten Stempel von Hohenkreuz ein.

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Trotzdem habe ich mir öfter die Frage gestellt, ob es sich wirklich um einen Notstempel handeln kann. Es gibt doch einige Hinweise, die dagegen sprechen. Um nun hinter das Geheimnis dieses Stempels zu kommen, gehen wir zurück in die Zeit, als Esslingen von den Alliierten Truppen besetzt wurde.

20.April 1945: vom Süden her nähern sich die Franzosen, vom Norden her rücken die Amerikaner auf Esslingen vor. Eine Gesandtschaft aus Esslingen ergibt sich den Amerikanern, es folgt die Besetzung Esslingens. Die Amerikaner belegen die Kaserne nördlich von Esslingen, alle Behörden und Ämter werden geschlossen. Direkt gegenüber der Kaserne befand sich damals das kleine Postamt von Hohenkreuz. Man darf davon ausgehen, daß es ebenfalls geschlossen wurde.
Im Mai kehrten die Franzosen nach Esslingen zurück, der Landkreis Esslingen gehörte somit zur französischen Besatzungszone. Die Franzosen unternahmen keinerlei Anstrengungen, den Postverkehr in Esslingen wieder zuzulassen.
Nach 6 Wochen französischer Besetzung kamen die Amerikaner am 8.7.1945 nach Esslingen zurück und blieben bis zum Ende der Besatzungszeit. Am 20.8.1945 konnte endlich der Postverkehr wieder aufgenommen werden. Es begann die Zeit der Notmaßnahmen und der Postzensur.

In Esslingen hatten nach dem Krieg von den ehemals vier Postämtern nur zwei geöffnet: das Hauptpostamt gegenüber dem Bahnhof und das Postamt 3 am Charlottenplatz. Das Postamt 2 und das Postamt in Hohenkreuz (Postamt 4) blieben geschlossen. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.
1947 wurde das Postamt in Hohenkreuz wieder geöffnet, das früheste Stempeldatum, das ich erfasst habe, ist der 10.4.1947. Dieser Beleg ist gestempelt mit dem Poststempel aus Hohenkreuz, der auch vor der Schließung des Postamts verwendet wurde (letztes erfasstes Stempeldatum 12.2.1945). Dieser Poststempel war also verfügbar, warum hätte also ein Notstempel angeschafft werden müssen? Wäre das Postamt in Hohenkreuz 1945/46 geöffnet gewesen, hätte man doch sicher den Hohenkreuzer Poststempel verwendet.

Ich hatte eine Zeitlang vermutet, daß dieser Poststempel von den Besatzern beschlagnahmt wurde, und - so meine Vermutung - erst 1947 wieder an das Postamt zurückgegeben wurde.

Drei Gründe sprechen jedoch dagegen: Ein großer Teil der R-Zettel aus Hohenkreuz mit der Beschriftung "Esslingen (Neckar) 4" wurden am Hauptpostamt aufgebraucht (klassische Notmaßnahme). Diese Belege findet man sehr zahlreich, meist handelt es sich um zensierte Post. Warum hätten die Besatzer nur den Poststempel beschlagnahmen sollen, nicht aber auch die Formulare des Postamts in Hohenkreuz?

  • Wie bereits oben erwähnt, war nach dem Krieg das Postamt 2 in Esslingen geschlossen. Es wären also Poststempel verfügbar gewesen, mit denen man das Postamt in Hohenkreuz hätte ausstatten können. Dies ist jedoch nicht passiert, erst ab 1949 tauchen Belege auf (frühestes Datum nach dem Krieg: 11.1.1949), die mit den Poststempeln vom Postamt 2 gestempelt sind. Nachweislich war das Postamt 2 aber noch 1948 geschlossen, bis zu diesem Zeitpunkt hätte man also die Poststempel verwenden können. Mal ganz davon abgesehen, daß die Beschlagnahme eines Poststempels recht sinnlos erscheint.

  • Wenn es sich um einen Notstempel handelt, warum wurde mit ihm die Briefmarke nicht entwertet? Gerade das ist doch eine charakteristische Eigenschaft eines "Notstempels", einen Tagesstempel in vollem Umfang zu ersetzen, also auch Briefmarken damit zu entwerten! Dies ist hier nicht passiert.
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    Für mich typische Notstempel sind z.B. die württembergischen Wanderstempel, die überall dort eingesetzt wurden, wo Poststempel repariert werden mussten, also für mehrere Tage nicht zur Verfügung standen. Anstelle des Poststempels wurde dann ein Wanderstempel verwendet. Und mit Ihnen wurden selbstverständlich auch Marken entwertet.

    Um was also handelt es sich nun?

    Vor dem Hintergrund, daß das Postamt in Hohenkreuz geschlossen hatte (warum auch immer), kann es sich nur um einen provisorischen Landpoststempel handeln!

    Ich gehe davon aus, daß zu Beginn der Besatzungszeit das Postamt in Hohenkreuz komplett geräumt wurde, und sämtliche Utensilien daraus im Hauptpostamt eingelagert wurden. So erklärt sich auch, warum die R-Zettel aus Hohenkreuz im Hauptpostamt aufgebraucht werden konnten.
    Anders dagegen die Situation beim Postamt 2: nach dem Krieg war es für einige Jahre geschlossen, blieb aber komplett eingerichtet. Mangel an Personal mag ein Grund gewesen sein, das Postamt 2 geschlossen zu lassen. Es war aber wohl immer geplant, dieses Postamt sobald wie möglich wieder zu öffnen.
    In Hohenkreuz dagegen wurden die Räumlichkeiten des ehemaligen Postamts wohl anderweitig belegt, vermutlich von den amerikanischen Besatzern. Zu diesem Zeitpunkt war es wohl nicht absehbar, ob und wann das Postamt in Hohenkreuz wieder eingerichtet werden konnte.

    Für die Bewohner von Hohenkreuz hatte dies natürlich unangenehme Konsequenzen: sie mussten nun also jedesmal den beschwerlichen Weg hinunter nach Esslingen und anschließend wieder hinauf nach Hohenkreuz auf sich nehmen, nur um einen Brief bei der Post aufzugeben. Dieser Zustand war auf Dauer untragbar.

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    Deshalb gehe ich davon aus, daß nach dem Krieg in Hohenkreuz eine privat geführte, provisorische Landpoststelle eingerichtet wurde, um der Bevölkerung in Hohenkreuz zumindest eine postalische Grundversorgung garantieren zu können.

    Wie bei jeder Landpoststelle üblich, wurde auch dort ein Landpoststempel verwendet, der nicht zur Entwertung der Marken verwendet werden durfte. Die Landpoststempel waren ein reiner Herkunftsnachweis auf einer Postsendung. Und in dieser Form liegt ja der vermeintliche Notstempel aus Hohenkreuz vor.


    Nachfrankierte Belege ins Ausland

    Beitrag vom 15. Mai 2007

    Auf den ersten Blick handelt es sich um eine ganz gewöhnliche Karte, ins Ausland adressiert - eigentlich nichts besonderes. Aber wenn man genau hinsieht, erkennt man, daß zwei Poststempel unterschiedlichen Datums abgeschlagen wurden. Was ist hier passiert?

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    Die Karte wurde fälschlicherweise nur mit dem Inlandsporto frankiert (1,50 Mark), sollte aber nach Frankreich, also ins Ausland befördert werden. Dafür wäre aber ein Porto in Höhe von 3,50 Mark nötig gewesen. Ganz sicher wurde die Karte in einen Briefkasten eingeworfen, denn hätte man sie am Postschalter aufgegeben, wäre sofort aufgefallen, daß nicht genügend Porto aufgeklebt war.

    In der Briefabgangsbearbeitung des Postamts in Esslingen wurde die Karte gestempelt - der zeitlich frühere Poststempel auf der Karte - und dort ist das fehlende Porto bemerkt worden.

    Die Karte wurde nun vom Briefzusteller an den Absender zurückgegeben, mit dem Hinweis, daß noch 2 Mark zusätzlich aufzukleben wären (das hat allerdings nur funktioniert, weil der Absender seine Adresse auf die Karte geschrieben hatte). Nachdem die fehlenden 2 Mark nachfrankiert wurden, konnte die Karte wieder bei der Post abgegeben werden, wo die zusätzlich aufgeklebten Marken gestempelt wurden (der zweite Stempelabschlag). Erst jetzt wurde die Karte von der Reichspost befördert.

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    Eine schöne Kombination unterschiedlicher Poststempel ist auf der zweiten Karte zu sehen: der erste Stempel stammt vom Postamt 1 (Hauptpostamt), der zweite Poststempel auf der nachfrankierten Marke stammt vom Postamt 3 - sehr ungewöhnliche Kombination.
    Beide Karten habe ich übrigens bei einem Ansichtskartenhändler gefunden, deklariert als "2. Wahl" deshalb auch entsprechend günstig.

    Zwei erstaunliche Beispiele von Post-Service aus den 20er Jahren!


    Tauchbootbrief

    Beitrag vom 20. April 2007

    Es ist erstaunlich, welche Anstrengungen das Deutsche Reich während des 1. Weltkriegs unternommen hat, um den Handelsverkehr Richtung Amerika aufrecht zu erhalten. Als immer mehr Handelsverbindungen ins Ausland durch direkte Kriegsgegener unterbrochen wurden, versuchte das Deutsche Reich die wichtige Handels- und Postverbindung nach dem amerikanischen Kontinent wieder aufzubauen. Die Idee war einfach, geradezu simpel: mit einem Unterseeboot sollten Waren, Nachrichten und Postsendungen aus Deutschland nach Amerika befördert werden. Die gegnerische Kriegsflotte, die das Deutsche Reich vom Rest der Welt abtrennte, sollte regelrecht "unterwandert" werden. Die Deutsche Ozean-Reederei DOR in Bremen stellte für diese Aufgabe ein Unterseeboot (Tauchboot) zur Verfügung. Die erste Tauchbootfahrt im November 1916 endete jedoch mit einer Katastrophe. Das Tauchboot wurde von der britischen Kriegsflotte entdeckt und im Meer versenkt.

    Trotz dieses Rückschlags wurden zwei weitere Tauchboote in Betrieb genommen (Deutschland und Bremen). Ihnen gelang es, vom Feind unentdeckt, den amerikanischen Kontinent zu erreichen. Die Verbindung zur neuen Welt war wieder hergestellt.

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    Die dritte Tauchbootfahrt, geplant am 15. Januar 1917, wurde allerdings nicht mehr durchgeführt: die USA traten in den 1. Weltkrieg ein, als Kriegsgegener von Deutschland! Die Tauchbootfahrten wurden deshalb sofort eingestellt. Sämtliche Waren, die zur Beförderung mit dem Tauchboot bei der Werft in Bremen gelagert waren, wurden an die Absender zurückgegeben. Alle Postsendungen wurden mit dem auffälligen Stempel "Zurück. Wegen Einstellung des Tauchbootbriefverkehrs zurück an Absender" versehen, und an die Absender zurückgegeben. Den Absendern wurde das bereits bezahlte Beförderungsentgelt und die Kosten für die Zuleitung der "Tauchbootbriefe" nach Bremen von der Reichspost zurückerstattet. Allerdings musste hierfür der Briefumschlag als Quittung bei der Post abgegeben werden. Diese Umschläge wurden später dem Briefmarkenhandel überlassen. Deshalb sind die Angaben des Absenders und die Namen des Empfängers auf den Umschlägen unkenntlich gemacht worden.

    Der abgebildete Beleg ist der mir einzig bekannte Tauchbootbrief aus Esslingen (ich schließe aber nicht aus, daß weitere existieren). Gestempelt ist der Brief am 8.1.1917 mit dem Esslinger Innendienststempel, Unterscheidungsbuchstabe "a".

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    Für die Zuleitung musste der Brief in einem Umschlag, versehen mit der Anschrift "Tauchbootbrief nach Bremen", bei der Post aufgegeben werden. Diese Zuleitung nach Bremen kostete zusätzlich 2 Reichsmark. In Bremen wurden die Zuleitungsumschläge geöffnet, und die enthaltenen Briefe bei der Deutschen Ozean-Reederei zur Weiterbeförderung mit dem Tauchboot abgegeben.

    Interessant an diesen Tauchboot-Belegen ist eigentlich die Tatsache, daß sie nie wirklich postalisch befördert wurden, sondern lediglich zur Beförderung vorgesehen waren.

    Quelle: Deckname "U 200" - Die Tauchbootpost-Story 1916/1917; Claus Geissler


    Zensur im 1. Weltkrieg

    Beitrag vom 23. März 2007

    Ein äußerst interessanter Beleg für die Esslinger Heimatsammlung, allerdings mit Poststempel aus Stuttgart. Lediglich die Absenderangabe "Daniel Jeitteles, Kid Glove Manufacturer, Esslingen o. N." lässt seine Herkunft erkennen (Kid Gloves = Glacé-Handschuhe). Wie kommt aber nun der Stuttgarter Poststempel auf diesen Brief?

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    Eigentlich ganz einfach: während des 1. Weltkriegs wurden Briefe ins Ausland von den Postüberwachungsstellen geprüft. Beim Postamt in Esslingen wurde die Firmenpost zwar aufgegeben, aber nicht abgestempelt. Denn sie war ja nicht zur Beförderung freigegeben. Die ungestempelte Post wurde der Überwachungsstelle in Stuttgart vorgelegt. Nach der Prüfung wurde der Stempel "Zur Beförderung zugelassen" angebracht. Erst jetzt durfte der Brief durch die Post weiterbefördert werden. Die Briefe wurden nun im nahegelegenen Postamt in Stuttgart abgegeben und dort endlich gestempelt. Von dort aus erfolgte die Weiterbeförderung in die Vereinigten Staaten.

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    Sehr schön abgschlagen sind auch die Stempel der Überwachungsstelle Stuttgart vom Generalkommando des XIII. (Kgl. Württ.) Armeecorps. Nicht ganz so schön der Stempel des Generalkommandos auf der Vorderseite des Briefes.


    Handrollstempel mit Aptierung

    Beitrag vom 18. Februar 2007

    Auf den ersten Blick ist dies nicht gerade ein Traumbeleg für die anspruchsvolle Heimatsammlung. Ausgerechnet ein Rollstempel wurde für die Abstempelung verwendet. Jeder Briefmarkensammler würde angesichts der verunstalteten Marken den Brief achtlos zur Seite legen, und ihn wahrscheinlich irgendwann verärgert in den Papierkorb werfen.

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    Jedoch für den Heimatsammler ist so ein Beleg ein absolutes Spitzenstück. Ich kenne keinen Heimatsammler, der einen solchen Beleg zurückweisen würde. Diese Handrollstempel, noch dazu in einem derart klaren Abschlag, sind äußerst selten! Als ich dieses schöne, leider nicht ganz billige Stück in einer Ansichtssendung entdeckt habe, hätte ich vor Freude fast einen Luftsprung gemacht. Diesen Stempel kannte ich bisher nicht.

    Meine Freude wurde allerdings ein klein wenig getrübt, als ich diesen Stempel genauer betrachtet habe: in diesen Handrollstempel wurde nachträglich die Postleitzahl "(14)" eingearbeitet. Dies bedeutet natürlich, daß der Handrollstempel auch ohne Postleitzahl existieren muß.

    Auf der einen Seite hatte ich zwar einen neuen, mir bisher unbekannten Poststempel gefunden (was mich natürlich sehr gefreut hat), ich musste aber auf der anderen Seite den Handrollstempel ohne Postleitzahl in meine Fehlliste aufnehmen, was sehr ärgerlich war. Wieder ein Poststempel, der mir noch in der Sammlung fehlt. Aber immerhin weiß ich, wie er aussieht, es ist sicher nur eine Frage der Zeit, dann werde ich den nicht-aptierten Handrollstempel finden.

    Letztlich kann man wohl nie wissen, ob man wirklich alle Poststempel eines Postamts kennt und erfasst hat. Schon auf dem nächsten Tauschtag oder in der nächsten Ansichtssendung kann ein weiterer, bisher unbekannter Stempel auftauchen.


    Nebenstempel Controlé

    Beitrag vom 2. Januar 2007

    Neben den Poststempeln von Esslingen sammle ich gezielt auch die sogenannten "postalischen Nebenstempel". Der bekannteste dieser Stempelgruppe ist der Stempel "Nachgebühr", der in der Briefeingangsbearbeitung eines Postamts verwendet wird. Ein typischer Nebenstempel auf ankommender Post (incoming Mail), er dürfte sicher jedem Leser bekannt sein.

    Die unten abgebildete Postanweisung trägt einen Nebenstempel, der mir bisher nicht bekannt war. Angeboten wurde dieser Beleg als Kontrollpostanweisung mit dem Hinweis auf den Nebenstempel "Controle". In der Literatur habe ich dazu leider keinen Hinweis oder eine Erklärung finden können.

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    Die Postanweisung wurde vom Postamt Esslingen an das Postamt in Gmünd geschickt, ein Beleg aus dem postalischen Innendienst. Ob hierbei wirklich Geld "geflossen" ist, lässt sich schwer sagen, ich glaube eher nicht daran.

    Üblicherweise wird mit einer Postanweisung Geld von einem Ort (z.B. Esslingen) zu einem anderen Ort (beispielsweise Gmünd) transferiert. Der Geldbertrag wird aber sicher nicht bei jeder Anweisung auf postinternen Konten verbucht, man stelle sich vor, daß ein ähnlicher Betrag am selben Tag von Gmünd nach Esslingen angewiesen wird. Dann würde es ausreichen, nur die Differenz dieser beiden Postanweisungen postintern zu verbuchen.

    Über einen längeren Zeitraum könnte sich eine Differenz zugunsten Esslingens ergeben, einige Tage/Wochen später würde die Differenz zugunsten Gmünd ausfallen. Warum sollte man also permanent Geld hin und herschicken?

    Ich bin mir fast sicher, daß einmal im Monat alle Postanweisungen zwischen Gmünd und Esslingen aufgerechnet wurden, und der Saldo-Differenzbetrag dem anderen Postamt über die Kontrollpostanweisung angezeigt wurde. Für die abgebildete Postanweisung würde dies bedeuten, daß Esslingen dem Postamt Gmünd 136,40 Mark für den Monat Mai 1878 schulden würde. In Gmünd wurde natürlich ebenfalls abgerechnet, und es ergab sich (hoffentlich) der gleiche Betrag.

    Ich könnte mir vorstellen, daß auf diese Weise die gesamten Postanweisungen zwischen allen Postämtern in Württemberg abgerechnet wurden. Da es sich bei den Kontrollpostanweisungen um Belege aus dem postalischen Innendienst handelt, muß man sich wundern, daß diese erhalten geblieben sind und nicht - wie sonst üblich - vernichtet wurden.

    Die obigen Ausführungen sind lediglich eine Vermutung meinerseits. Ich schließe nicht aus, daß diese Kontrollpostanweisungen einem ganz anderen Zweck dienten. Für entsprechende Hinweise wäre ich Ihnen dankbar.


    Eine unscheinbarere Karte - Retour nach Esslingen

    Beitrag vom 16. Dezember 2006

    Manche Belege offenbaren ihre Geheimnisse erst auf den zweiten Blick. In diese Kategorie gehört die abgebildete Ganzsache, die am 6. März 1896 nach Gossau im Kanton St. Gallen in der Schweiz geschickt wurde.

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    Da der Empfänger nicht ermittelt werden konnte, wurde die Karte nach Esslingen zurückgeschickt und wurde am 8. März 1896 mit dem Eingangsstempel versehen.

    Zu diesem Zeitpunkt war das Esslinger Hauptpostamt noch im Bahnhofsgebäude untergebracht. Trotz der räumlichen Enge hatte das Postamt tatsächlich eine separate Briefeingangsbearbeitung, was durch den Eingangsstempel sehr eindrucksvoll dokumentiert wird. Dieser Stempel wurde ausschließlich als Ankunftsstempel verwendet, er kommt ganz selten auch als Entwerter vor.

    Interessant ist die Uhrzeitangabe in diesem Stempel: 12-6V ist die Zeit von Mitternacht bis 6 Uhr morgens (6-12N ist ebenfalls bekannt). Dieser Stempel wurde also vorwiegend Nachts verwendet. Mit dem ersten Bestellgang am Morgen des 8. März wurde die Karte dann wohl dem Absender zurückgegeben.

    Retour-Sendungen findet man recht häufig auch aus dieser Zeit. Aber meistens ist dann der Ankunftsstempel auf der Rückseite abgeschlagen. Schalterstempel und Ankunftsstempel gemeinsam auf der Vorderseite habe ich bisher nur einmal finden können. Darüberhinaus dokumentiert dieser Beleg die erste Verwendung eines speziellen Ankunftsstempels bei der Briefeingangsbearbeitung (Postzustelldienst). Bis zu diesem Zeitpunkt wurde für die Ankunftsstempelung der gewöhnliche Schalterstempel verwendet.

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    © 2007 Thomas Lauterbach